Einstein und Nevada
Eine wunderbare Geschichte über Steven, Floh und wie Einstein und Nevada ein neues Zuhause bekommen haben:
Der Tag ist gekommen, etwas wo ich hoffte es würde noch eine Weile dauern, aber unsere treue Floh baut ab. Körperlich wie auch Mental, sie ist halt nun eine alte Dame die in Rente gehen möchte. Sie hat es sich auch wahrlich verdient, wenn ich daran denke, wie wir uns gefunden haben, bin ich froh für all die schönen Momente, die wir mit ihr erleben durften.
Wer hätte je gedacht das Floh für Steven so wichtig Begleiter werden könnte. Steven ist mit einer halbseitigen Lähmung auf die Welt gekommen, in der 34. Schwangerschaftswoche, wobei man meinte, die Entwicklung sei wie 30te. Nur wusste man zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er behindert sein würde, denn ich war ja eigentlich das Problem warum er zu früh kam. Ich leide an einer Autoimunkrankheit kurz APS genannt. Den größten Mist auf Erden braucht kein Mensch. Da ich schon einige Fehlgeburten und ein Todgeburt erlitten hatte, war mir von Anfang an bewusst das dies keine leichte Schwangerschaft werden würde, dennoch mit viel Hoffnung und glaube das ich das richtige mache wagte ich es noch einmal das Große Abenteuer Schwangerschaft. Und es war ein Abenteuer, heute zählt diese Zeit wohl eher für mich als Expedition, wo man nie weiß wie der Ausgang sein wird. Man hofft man kommt ans Ziel mit so wenig Schaden wie eben nur möglich. In der 33. Woche sah man, dass ich Thrombosen in der Plazenta hatte und man entschied sich dann Steven per Kaiserschnitt zu holen. Das erste was ihm dann passiert, war eine Lungenentzündung, schlechter Start wenn die Lunge nicht arbeitet und man nicht auf die Medikamente anspricht. Es wurde immer schlechter, noch ein Schlauch, noch eine Nadel noch mehr Medikamente, schlussendlich ein Herzkatheter. Hoffnungen gab man uns keine mehr, aber wenn man keine Hoffnung mehr hat warum sollte man dann noch in Krankenhaus fahren? Und wie sagt man so schön die Hoffnung stirbt zu Letzt und ich wusste da liegt ein kleiner Kämpfer und so lange er kämpfte, glaube ich und kämpfe mit ihm. Es hat sich gelohnt. Heute ist Steven körperlich Behindert, er ist lernverzögert und sicher auch etwas speziell, sind wir das nicht ab und an auch mal, aber er lebt und dass er so leben kann, habe wir unter anderem auch Floh, einem Mischling zu verdanken, der fast die ersten Wochen seines Lebens nicht überlebt hätte weil ein Bauer meinte er wäre eh nur ein dummer Kötter.
Und wie kommt man nun zu so einem wunderbaren Hund wie Floh? Ich arbeite schon seit Jahren mit Hunden und weiß wie wichtig für mich die Hunde sind. Sie geben mir Energie und Kraft vieles zu Überstehen. Meine ersten beiden Kinder profitierten extrem davon dass ich Hunde hatte und wenn es ihnen gut tat dann wohl erst recht einem Behindertem Kind. Vor 14. Jahren fuhr ich auf den Hof unseren damaligen Vermieter, er hatte gerade einen Wurf. Eine fürchterliche Mischung, in meinen Augen. Mama, Appenzeller, Papa Bernasennenhund. Die Mutter wirklich keine schöner Hund, viel zu dick, auch jetzt noch obwohl um ihr 9 Welpen rumkrabbelten. Mein Vermieter meinte nur, wenn ich keine finde dann schmeiß ich die an die Wand, ob es ein Witz war weiß ich nicht, wenn es einer wahr dann sicher ein schlechter; Aber sind manche Bauern nicht so? Auf jeden Fall hat es gewirkt, ich nahm den erstbesten der auf mich zu kam, zögerte nicht lange, fragte kurz ob er denn noch was haben wollte, ein kurzes nein war die Antwort. Ein schnelles kurzes, ok dann nehme ich den hier und schon war der Deal vollzogen und ich um einen Hund reicher. Ich hörte schon die Stimme von Jürgen, meinem Mann, was schon wieder ein Hund und genau so war es ich fuhr auf unserem Hof kurbelte das Fenster raus, hielt den kleinen süßen Welpen auf dem Arm und es folgte das was ich schon wusste. Was sollen wir mit noch mehr Hunde. Ich antwortete nur: Dies ist Steven`s Hund, ein Hund dem ich vertrauen kann wenn Steven auf Tour geht. Woher willst du denn das wissen dass dies so ein Hund wird; war die Antwort von meinem Gatten. Ich meinte nur: ich weiß es, das muss reichen.
Steven, damals gerade mal 1 1/2 Jahre alt, sah diesen kleinen Krümel von Hund und war total entzückt. Als ich ihm erzählte dass die nun sein alleiniger Hund sei, strahlte er über alle vier Backen. Egal welchen Stellenwert nun dieser Hund für Steven haben würde, allein diese Freude und das glückliche Strahlen waren es wert diesen Hund aufgenommen zu haben. Nun mussten wir noch einen Namen finden, und Steven meinte sie ist so klein wie ein Floh, gut Flöhe sahen sicher noch viel kleiner aus, aber für ihn war es die Größe wie er sich ein Floh vorstellte. Also nannten wir sie Floh. Heute nach nun fast 14 Jahren die wir zusammen mit Floh erleben durften, kann ich sagen, dass Floh mehr war als nur ein Hund für Steven. Sie ist ein Kumpel, ein treuer Wegbegleiter, ein Therapeut eben ein vollwertiges Familienmitglied für uns aber speziell für Steven geworden.
Floh wir lieben dich über alles und wir verstehen dass dies wohl unserer letzter gemeinsamer Herbst sein wird.
Steven braucht aber einen tierischen Kumpel an seiner Seite. Gerade Hunde habe für behinderte Kinder einen besondere Antenne. Sie sind feinfühlig, sie sind nicht so streng, sie verzeihen, sie akzeptieren, sie sind die besten Lehrer und vor allem die besten Kumpel, die sich ein Kind in der Entwicklung vorstellen kann.
Ich wollte aber nicht einen Rasse Hund, sondern wieder einen Hund aus speziellen Verhältnissen. Es war an einem Sonntag, Regen und Sturm, was macht man da, man schaut TV oder eher den Fernsehengarten im ZDF. Dort sah ich Sonja Zietlow, die ihre Organisation BESCHÜTZERinstinkte und einen Hund mit dem Namen Charly vorstellte. Ein Border Collie. Ich schrieb darauf hin noch am gleichen Tag eine ausführliche Mail an diese Organisation und erst hörte ich Überhaupt nichts und dann erhielt ich so eine Standdartmail zurück. Gut dachte ich, da hat wohl einer meine Mail nicht so richtig gelesen, weil alles was die mich in diesem Fragebogen fragten, hatte schon in meiner Mail ausführlich beantwortet. Ich gebe ja ehrlich zu, das ich daraufhin dachte, wer nicht richtig und ernsthaftig eine Mail liest, der kann jetzt nicht erwarten, dass ich darauf antworte. Nicht weil ich hochnäsig bin, aber weil da draußen in der großen weiten Welt so viele Hunde rumlaufen, die dringend ein zu Hause benötigen und ich viele Anfragen erhalte ob ich nicht einen platzt für einen Hund hätte.
Mein Motto hieß dann, gut Ding braucht weil und wenn es nicht dieser Hund ist dann wird der richtige schon kommen....
Und er kam auch. Da erhielt ich eine Mail von Sonja persönlich. Ich war überrascht, aber im Positiven, denn hier zeigte sich, dass da nicht ein Promi war der dieser Organisation einen Namen gegeben hat, sondern der auch voll dahinter steht, der etwas bewegen möchte. Das fand ich gut, oder sagen wir mal einfach klasse. Sie fragte mich, ob ich nicht einen Hund aufnehmen könnte und stellte mir drei Hunde vor. Einstein, Nevada und einen Sib. Husky. Den letzteren schloss ich gleich aus, weil ich Huskys jede Menge habe und so wie er beschrieben wurde eh hier nicht reingepasst hätte. Also blieben nur noch Einstein und Nevada. Ich schrieb zurück, dass ich gerne mehr Infos über die beiden benötige. Prompt erhielt ich eine Mail mit der Antwort, das Jasmina diese beiden Hunde bei sich aufgenommen hat und sie mir schnellstmöglich antworten werde.
Heute weiß ich, was bei Jasmina schnellstmöglich ist und mach mir darüber keine Gedanken mehr, wenn es mit der Antwort etwas länger dauert, aber zu diesem Zeitpunkt war ich etwas irritiert. Es dauerte nämlich eine ganze Weile bis ich dann mal Antwort erhielt. Ich erhielt nur Infos über Einstein und nicht über Nevada.
Gut dachte ich mir dann schreib ich Jasmina, dass ich doch gerne noch ein paar Infos über Nevada hätte. Es dauerte wieder eine Weile und dann kam die Info. Ausführlich aber immer mit so kleinen Nebensätzen wo ich sofort erkannt, dass da jemand ist der die kleine Nevada gar nicht hergeben möchte. Ich dachte mir nur da suchen sie für einen Hund ein neues Zuhause und merken gar nicht, dass dieser Hund schon lange eins gefunden hatte. Dann sollte ich wohl der Jasmina wohl mal mitteilen, dass sie ja gar nicht diesen Hund hergeben möchte und das Nevada dies schon wüsste, dass dies wohl aber bei ihr noch nicht so richtig angekommen sei.
Ich weiß, dass alles in Leben einen Sinn hat und durch die Suche nach einem Hund habe ich Jasmina kennengelernt. Sie ist ein toller Mensch und Nevada hat ein dauerhaftes zu Hause gefunden. Tja und was soll ich sagen, Einstein ist nun seit genau 2 Wochen hier. Wir haben alle das Gefühl, dass er schon ewig bei uns ist. Ich bin mir sicher, dass Steven mit Einstein einen Kumpel gefunden hat, mit dem er hier in der Wildness durch dick und dünn gehen kann. Ich habe sicher einen neuen Freund gewonnen, ich habe da so ein Gefühl, dass sich zwischen Einstein und mir etwas Besonderes entwickelt. Etwas Großes.
Vielen Dank, Silvia








