Dauerschmuser aus dem Süden….

Tja, mit diesen Worten hat irgendwie alles angefangen. Und mit dem Paar der wunderschönen braunen Augen, die mich auf dem zugehörigen Foto angeschaut haben.
Die Planung:
Wir hatten uns zu diesem Zeitpunkt bereits recht ausführlich mit dem Thema „Ein Hund soll bei uns einziehen“ beschäftigt. Aufgrund unserer Lebensumstände war auch recht schnell klar, dass unser neuer Mitbewohner doch recht viele Ansprüche erfüllen sollte:

  • katzenverträglich, da bereits zwei Kater in der Familie vorhanden sind
  • kinderfreundlich, da der Hund mit dem einen Frauchen eine Anstellung als „Schulbegleithund“ bekommen soll
  • er muss auch alleine bleiben können, da wir Menschen beide zumindest halbtags berufstätig sind
  • und nicht zuletzt sollte es auch noch ein Hund aus dem Tierheim bzw. dem Tierschutz sein.

Außerdem hatten wir den Einzugstermin schon auf den Anfang der Sommerferien geplant, damit wir eine Eingewöhnungszeit von 6 Wochen einkalkulieren konnten. Wohl gemerkt haben wir uns diese Gedanken bereits im Winter gemacht und auch die Entscheidung das Ganze in die Tat umzusetzen ist schon im Dezember gefallen. Hört sich eigentlich ja ganz einfach an, aber es kommt ja meistens anders …..
Wann fängt man an nach einem Hund zu suchen, wenn man diesen erst im Sommer aufnehmen möchte ? Na klar, sobald man die Entscheidung gefällt hat!
Also haben wir regelmäßig die Internetseiten aller Tierheime im Umkreis von 50 Kilometern durchstöbert und nach geeigneten Kandidaten gesucht. Schließlich gab es ja nicht nur die oben genannten Kriterien, sondern es musste auch noch ein Exemplar sein, das wir beide „süß“ fanden – was sich dann am Häufigsten als Problem erwiesen hat !!!
Es war dann Anfang Januar diesen Jahres, dass ich in einer Hundezeitschrift auf folgende Anzeige gestoßen bin: Dauerschmuser aus dem Süden.
Treu, freundlich und schlau – hier ist Ron! Sein Mensch sollte agil und interessiert daran sein, mit ihm was zu erleben und zu arbeiten. Der Labrador-Mix ist erst 1,5 Jahre alt. Ein frühzeitig erkanntes Hüftproblem hat sehr gute Aussichten auf völlige Genesung. Er mag Katzen, Hunde und Kinder und ist ein Pfützen- und Teichliebhaber. Sein Blick war selbst auf diesem kleinen Foto umwerfend und damit hat er sich sofort in mein Herz geschlichen. Auf der Internetseite des Vereins dingo e.V. konnten wir dann zwar schöne Bilder von Ron finden, aber leider auch ausführlichere Infos zu seiner Krankheitsdiagnose, die dazu führten, dass er von uns als „nicht tauglich“ abgehakt wurde.

In den nächsten Wochen bzw. Monaten haben wir sehr, sehr viele Hunde und ihre Geschichten im Internet gefunden, leider war „unser Traumhund“ nicht dabei und es gab auch nur ganz wenige Hunde, die überhaupt in die nähere Auswahl kommen konnten. Bei vielen wusste man zu wenig über die Tiere oder sie waren mit solchen Traumas behaftet, denen wir uns als Ersthundebesitzer nicht gewachsen fühlten bzw. uns darüber klar waren, dass so ein Hund viel mehr braucht, als wir ihm bieten können.
Da ist er wieder ! Auf einer dieser Reisen durch das world-wide-web landete ich dann aber zwangsläufig auch wieder auf der Seite von dingo e.V. Mit der festen Überzeugung, dass der süße Ron bestimmt schon ein Zuhause gefunden hat, habe ich die 

„ Zuhause-gesucht-Hunde“ durchgeschaut und war wirklich total verwundert, als mich der schwarze Bube immer noch unter den noch nicht vermittelten Tieren anschaute.
Ab diesem Zeitpunkt hat er uns nicht mehr losgelassen. Wir haben uns dann entschieden erstmal eine Mail an die Kontaktadresse zu schicken, um zu klären, ob Ron durch sein Handicap als Schulhund ungeeignet ist bzw. was bei ihm Besonderes zu beachten ist. Darauf folgte ein sehr netter Schriftverkehr mit Familie Triebel, bei denen Ron sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Pflege befand. 
Es kam wie es kommen musste und an Ostern setzten wir uns in unser Auto und fuhren 450 km nach Düsseldorf, um die Fellnase kennen zu lernen. Als wir ziemlich geschafft dort angekommen waren, haben wir uns in der Stadt zu einem Spaziergang getroffen. Ron war sehr aufgeregt und hat gleich seine Qualitäten als laut bellender Leinenpöbler unter Beweis gestellt sobald er anderen Hunden begegnete. Im Wald durfte er freilaufen, war dort auch absolut verträglich bei allen Hundebegegnungen und hat super auf sein Pflegefrauchen gehört. Das er Power hat und in seinen Adern sowohl Windhund als auch Pointer vertreten sind, war bereits bei diesem Spaziergang nicht zu übersehen. Der erste Eindruck lässt sich deshalb wohl folgendermaßen beschreiben: „Wow, was für ein aufgeregtes Powerpaket ! Ob wir mit dem wohl zurechtkommen!?“

Zum Glück durften wir bei unserem Besuch auch die andere Seite des Hundemannes kennenlernen. Wir wurden von den Pflegeeltern Margret und Hardy ganz herzlich aufgenommen ! Nach dem Spaziergang gings nachhause zu Ihnen und bei Kaffee und Kuchen konnten wir uns beschnuppern und viele Infos zur Vereinsarbeit und natürlich auch speziell zu Ron erhalten. Ganz nebenbei erlebten wir aber auch einen total entspannten Hund, der zufrieden in seinem Körbchen schläft und nur ab und zu mal vorbeikommt, um sich streicheln zu lassen und zu gucken, ob noch alle da sind – also ein sehr angenehmer Zeitgenosse ! Zwischendurch gab es noch ein paar Spieleinheiten im Garten und noch mal einen kleineren Abendspaziergang, bei dem der junge Mann sich von seiner besten Seite zeigte.
Abends lagen wir dann in unserem Hotelzimmer und haben versucht, das „Für“ und „Wider“ vernünftig abzuwägen- aber natürlich war es da bereits um uns geschehen und der Bursche hatte sich endgültig in unsere Herzen geschlichen. Am nächsten Morgen haben wir dann offiziell eine „Reservierung“ für Ron angemeldet!

Die neue Planung: 
Zuhause haben wir erstmal die vielen Fotos entwickelt, die wir bei unserem Besuch gemacht hatten und haben allen die es hören wollten – oder auch nicht – begeistert von unserem zukünftigen Familienmitglied erzählt. 

Unter anderem auch unserer Bekannten, die eine Hundeschule betreibt und als Trainerin für uns und unseren „wilden Zuwachs“ vorgesehen war. Ihr Kommentar: „Schön, aber warum wollt ihr den Hund erst im Sommer holen ? Es gibt doch auch noch Pfingstferien.“

Super, da hat man sich alles genau überlegt und durchgeplant und eine Bemerkung an die frisch verliebten zukünftigen Hundeeltern und schon galoppieren die Gedanken und alles wird über den Haufen geworfen ! Also nochmal geplant und überlegt, Gespräche mit der Hundeschule, Suche nach einer Hundesitterin für die Zeit zwischen den Ferien, Verschiebung des Sommerurlaubs auf Pfingsten -damit zumindest 3 Wochen für die Eingewöhnung jemand zuhause ist, endlose Diskussionen –welcher Termin wohl besser ist und dann wurde entschieden, dass wir nicht noch drei Monate warten möchten, sondern Ron bereits an Pfingsten bei uns einzieht.

Dann mussten wir erstmal mit Margret und Hardy klären, ob die notwendige Vorkontrolle überhaupt so kurzfristig stattfinden kann und sie mit dem vorverlegten Termin einverstanden sind. Zu unserem Glück konnte Melanie Triebel kurzfristig aus München bei uns vorbeikommen (sind ja nur 2 ½ Stunden Autobahn!) um die Kontrolle durchzuführen. Wir waren ziemlich aufgeregt, denn schließlich hatten wir schon fleißig einen Zaun gebaut, diverse Körbchen, Spielzeug, Näpfe und Leinen eingekauft und waren nun dem Urteil von Melanie ausgeliefert !

Melanie hat dann noch zwei Kontrolleure mitgebracht – Lillo und Oscar ! Lillo hat unser Sofa getestet und Oscar hat uns erstmal gründlich gewaschen. Wir haben einen sehr netten Nachmittag mit angeregten Gesprächen verbracht und die beiden Vierbeiner haben eindeutig zur entspannten Atmosphäre beigetragen. Auf jeden Fall war klar => Vorkontrolle bestanden – Ron kann kommen !
Der Einzugstermin wurde auf den 22.Mai 2010 festgelegt. Da Ron mit seinen Pflegeeltern zu dieser Zeit sowieso in München war, kamen wir in den Luxus, dass er uns sogar nach Hause gebracht wurde. Vorteil für uns – wir mussten in diesem Erregungszustand nicht Auto fahren, Vorteil für Margret und Hardy – sie konnten sich das neue Zuhause auch noch selbst anschauen.

Der Einzug:
Um die Mittagszeit rollte der Wagen mit Margret, Hardy, Ron und Viva bei uns in die Straße. Großes Hallo zwischen allen – Ron teilt der Nachbarschaft lautstark mit, dass er jetzt da ist ! Da uns der Wettergott gerne hat, konnten wir gemütlich mit den Hunden im Garten und auf der Terasse grillen und nebenbei alles Wichtige besprechen und die Formalitäten für die Adoption erledigen. Um uns allen den Abschied möglichst leicht zu machen haben wir uns einfach auf einem gemeinsamen Spaziergang getrennt – wir und Ron in eine Richtung und Familie Triebel mit Viva in die andere. So hat Ron nicht das Auto wegfahren sehen und bei der Trennung hat er nur kurz hinter seiner Familie hergeweint. Später in der Wohnung hat sich seine Aufregung zwar noch durch heftiges Hecheln gezeigt, aber er war sehr brav, hat seine Körbchen und auch sein Abendessen problemlos akzeptiert und wir haben eine ruhige Nacht verbracht.

Die ersten drei Wochen waren wirklich hart ! Manchmal hatten wir echt den Eindruck, dass Ron dauernd die Klappe offen hat und uns an seiner Leine nur durch die Gegend zieht. Tatsächlich hat er in dieser Zeit durch seine Unsicherheit einfach jede ungewohnte Situation mit Gebell kommentiert – und alle Situationen waren ja neu für ihn. Da wir ja mit einem nicht ganz einfachen Hund gerechnet haben, hatten wir gleich am zweiten Tag die erste Einzelstunde mit unserer Hundetrainerin vereinbart. Das war auch gut so, denn mit ihrer Anleitung und Hilfe und ihrer immer wiederkehrenden Versicherung: „Das wird schon noch !“ hat sie uns allen unheimlich geholfen.

Hobbys:
Zu unserer Familie gehören auch zwei Pferde und so verbringen wir ungefähr 80% unserer Freizeit auf dem Pferdehof, auf dem es auch noch fast so viele Hunde wie Pferde gibt. Bei unseren ersten Besuchen mit Ron ist er richtig ausgetickt, Pferde wollte er nur „fressen“ und gebellt und gehüpft und gezogen wurde wie verrückt. Wenn er dann im Auto in seiner Box war hat er weitergebellt und der ganze Hof wusste, dass wir da sind. In dieser Zeit haben wir den Glauben an eine friedliche Zukunft zwischen Hund und Pferd echt verloren. Unsere Trainerin Tanja hat dann glücklicherweise entschieden, dass wir diese beiden Gattungen zusammenführen müssen, da Ron sonst nie Ruhe geben wird. Mit einem sehr braven Pferd (das ich geführt habe) und Ron (der von Tanja „geführt“ wurde) haben wir es dann in die Tat umgesetzt. Ron wollte tatsächlich auf das Pferd losgehen und reinbeißen, aber nachdem Tanja ihn solange massiv zurückgenommen hat, bis er sich wieder normal verhalten hat, konnten wir einen kleinen Spaziergang mit Pferd und Hund machen und Ron konnte auch mal entspannt am Pferd schnuppern. Seit dieser Übung sind Pferde zwar noch nicht seinen besten Freunde, aber er kann sie ignorieren und muss sie weder anbellen noch angreifen. 

Vielleicht hat er aber auch nur den Zusammenhang zwischen den großen Monstern und den leckeren Pferdeäpfeln verstanden und möchte die Lieferanten seiner Lieblingsmahlzeit nicht verärgern !

Außerdem ist er der bravste Hund, wenn er im Auto in seiner Box warten muss. Andere Hunde, Menschen, Pferde – alles darf um sein Auto herumwuseln – ohne Kommentar seinerseits !

Unwohlsein:
Bereits in der ersten Woche mussten wir uns Sorgen um unser Hundi machen. Morgens um 7 Uhr wurde ich von Urgg…-Geräuschen geweckt und ehe ich ganz wach war hat mir Ron schon vor die Füße gekotzt. In einer Lache aus nicht näher definierten Flüssigkeiten schwamm ein ziemlich großes Stück Hartgummi. Irgendwo in einem unbemerkten Moment musste Ron dieses Teil gefressen haben. Der Rest das Tages bestand dann aus „grasen“ und sich übergeben im Wechsel. Der Bursche gab wirklich ein Bild des Jammers ab und hat uns sehr leid getan. Nach mehrfacher telefonischer Rücksprache mit unserer Tierärztin (die auch eine Freundin von uns und „allzeit bereit“ ist) haben wir dann abends unseren ersten Termin in der Tierarztpraxis gehabt. Dort war er wieder sehr aufgeregt und laut, aber die Spritzen und die Untersuchung hat er brav mitgemacht. In der folgenden Nacht hat er uns dann zum Abschluß dieser Episode noch einen großen Haufen in den Flur gesetzt. Aufgrund seines Magenproblems hat ihm das keiner übel genommen und danach ist das auch nie wieder passiert bzw. jetzt meldet er sich, wenn er nachts mal raus muss.

Alleine bleiben:
In den drei Eingewöhnungswochen haben wir auch das Alleinsein trainiert. Anfangs sind wir nur für ein paar Minuten aus dem Haus gegangen und haben dies dann kontinuierlich gesteigert. Einmal haben wir –vor allem zu unserer Beruhigung ! – eine Videokamera aufgestellt und beobachtet wie er sich verhält, sobald er alleine ist. Unser Weggehen hat er meist noch beobachtet, indem er am Fenster hochgesprungen ist und uns hinterher geschaut hat. Dann hat er sich aber ruhig abgelegt und war entspannt. Hatten wir im Fragebogen des Vereins noch ein klares Nein bei der Frage: „Darf der Hund ins Bett ?“ angekreuzt, so hatte uns der Bursche schnell überzeugt, dass die Anschaffung mehrerer Tagesdecken sinnvoller ist. Jetzt leben wir alle mit dem Kompromiss – tagsüber darf er auf dem abgedeckten Bett schlafen, bei Nacht gehört es allerdings uns und er geht in sein eigenes Bett -. Als Dank dafür hat er noch nie irgendwas angenagt oder kaputt gemacht solange er alleine ist und bellt auch nur, falls sich jemand in unserem Garten bewegt z.B. der Postbote. Bereits in der dritten Woche war es dann schon kein Problem mehr, wenn er einen ganzen Vormittag alleine sein muss.

Katzenkontakt:
Wie anfangs erwähnt gibt es bei uns noch zwei Kater, Charly und Oscar, die als Freigänger bei uns leben. Beide sind ca. 6 Jahre alt und hatten bisher keinen direkten Hundekontakt. Ganz realistisch haben wir uns innerlich schon auf das schlimmste eingestellt, nämlich dass die Katzen „ausziehen“, weil sie keine Lust auf eine WG mit Hund haben. Die panische Flucht der Tiger beim Anblick von Ron (immer kontrolliert an der Leine bei den Begegnungen !) hat sich aber bereits am dritten Tag gelegt und die Katzen haben sich regelmäßig zum Fressen eingefunden und sich auch trotz Anwesenheit des Hundes in die Wohnung getraut. Unsere Wohnung lässt sich durch Türen auch gut abteilen und so können die Katzen auch jede Nacht „ungestört“ ein und aus gehen und Ron schläft bei uns. 

Ein paar Nächte haben wir auch schon gemeinsam in der Wohnung verbracht. Ron möchte eigentlich gerne einfach nur mal zu den Katzis hin, aber die rennen weg und wollen noch keinen direkten Kontakt. Sonst verhält er sich bei den Begegnungen echt vorbildlich und wenn er die Katzen z.B. durch die Fenster sieht oder die Schlafplätze abschnüffelt, wedelt er immer dabei. Auch gemeinsames Leckerli-Mampfen in einem Raum (d.h. ca. 4 m Abstand) ist für alle Beteiligten kein Problem mehr.

Sicher werden hier noch einige Monate ins Land gehen bis hier eine „Freundschaft“ entstehen kann, aber mit der kommenden kalten Jahreszeit sind die Kater auch wieder öfter zuhause und so können wir die „Zwangsvergesellschaftung“ dann auch besser vorantreiben. Wir sind da sehr zuversichtlich !

P.S. Ron beherrscht die Fremdsprache der Katzen übrigens recht gut. Bringt Charly ein Geschenk nachhause, was er sehr lautstark tut, oder verlangt nach Futter, was fast genauso laut ist, so reagiert Ron fast gar nicht. Prügeln sich allerdings unsere Kater im Garten mit irgendwelchen Eindringlingen, so springt er sofort auf und will hin – bestimmt um den Streit zu schlichten -☺.

Kontakt zu Artgenossen:
Ron ist eigentlich ein sozial sehr verträglicher Hund. Aufgrund seines Jagdtriebs muss er aber sehr viel an der Leine bzw. Schleppleine laufen und da kann er sich bei Hundebegegnungen echt zum Raubtier entwickeln. In der Anfangszeit genügte es schon einen Artgenossen auch nur aus der Ferne zu sehen, um Ron in ein wild bellendes, hüpfendes und nicht mehr ansprechbares Tier zu verwandeln. Leider sieht er so trotz Wedeln (er will ja nur hin zu dem Kumpel !) oft aggressiv aus und manche Artgenossen, aber vor allem deren Herrchen/Frauchen, verstehen ihn deshalb oft falsch. Unser Training in der Hundeschule und viele, viele Leckerchen haben uns jetzt aber schon so weit gebracht, dass sich die Individualdistanz deutlich verringert hat und manche Begegnungen laufen auch schon ganz ohne Theater ab.

Damit Ron sich aber auch mal richtig austoben kann, nutzen wir jede Gelegenheit für Spielzeiten mit Freilauf. Einmal in der Woche ist Spielstunde in der Hundeschule und im Stall sind wir in der Zwischenzeit eine nette Gruppe mit 5 Hunden, die sich fast täglich sehen und ihre eigenen Spielstunden auf den Pferdekoppeln veranstalten. 
Wenn wir zuhause Besuch mit Hund bekommen, haben wir die Zusammenführung einfach immer freilaufend im Garten gestaltet und Ron hatte nie irgendwelche Aggressionen oder Territorialansprüche.

Auch bei unserer Trainerin, die gleichzeitig auch als Hundesitterin tätig ist, hat Ron Kontakt zu vielen verschiedenen Hunden. Lediglich kleine langhaarige Hunde „dreht er ganz gerne mal um“, lässt sich aber recht gut vom Mensch abrufen und aus der Situation herausnehmen. Meistens genügt dann eine Ermahnung und der Kontrahent wird in Ruhe gelassen. Es ist auch eher ein „Scheinboxen“ als eine ernsthafte Attacke.

Insgesamt haben wir in diesem Bereich auf jeden Fall auch schon viele Fortschritte gemacht. Ganz deutlich wird hier auch, wie viel von der Gemütslage und Sicherheit des Menschen abhängt. Die unerwarteten Begegnungen, bei denen der andere Hund plötzlich da ist (z.B. um die Ecke eines Maisfeldes !), verlaufen nämlich immer ganz entspannt. Sieht man den anderen Hund aber schon von Weitem baut sich vor allem beim Mensch immer viel mehr Spannung auf. Hier muss einfach die Vertrauensbasis zwischen Hund und Frauchen nach und nach wachsen.

Situation heute (September 2010):
Ron hat sich gut in unseren Alltag integriert. Wir haben sehr viel zu lachen, an manchen Tagen (wenn er mal wieder zieht oder bellt ohne Ende) verfluchen wir ihn auch. Aber geht uns das nicht mit allen Familienmitgliedern so ? Wir sind sicher, dass Ron seinen Platz bei uns finden musste. Wir alle müssen noch viel gemeinsam lernen, unsere Beziehung wird sich jeden Tag weiterentwickeln und wir werden noch viele Höhen und Tiefen gemeinsam meistern – aber so ist halt das Leben ! 

Hund mit Handicap:
Bei seiner Ankunft in Deutschland wurde bei Ron HD mit daraus resultierender Arthrose in den Gelenken diagnostiziert. Da er sonst ein gesunder, junger Hund war wurden ihm auf Kosten des Vereins beschützerinstinkte e.V. in einer Operation Goldimplantate eingesetzt und anschließend hat er eine aufwendige Reha erhalten. Wir haben uns trotzdem für Ron entschieden. Egal was für einen Hund man zu sich holt, ob jung oder alt, man weiß nie zu 100% ob er gesund ist und bleibt.

Ron ist heute ein lebenslustiger, junger Hund, der spielt und rennt und eindeutig schmerzfrei ist ! Natürlich achten wir auf die Fütterung, damit er auch nicht zu schwer wird und gewisse Bewegungsabläufe versuchen wir zu vermeiden. Aber grundsätzlich darf er einfach Hund sein und keiner der ihn sieht vermutet irgendeine gesundheitliche Belastung.

Margret Triebel hat es in einem einfachen Satz haargenau getroffen: „ Wenn man sich für einen Hund mit Handicap entscheidet, dann ohne Wenn und Aber !“

Das haben wir getan und wir hoffen noch viele gesunde Jahre mit unserem Herzensbrecher zu verbringen!

Tine & Esther & Ron