informationen zu mittelmeerkrankheiten
Lieber Adoptant,
es freut uns sehr, dass Sie sich für einen Hund aus dem südlichen Mittelmeerraum entschieden haben. Wir wünschen Ihnen eine schöne, abwechslungsreiche und gesunde Zeit mit ihrem Vierbeiner. Daher möchten wir Ihnen unser Infoblatt zum Thema Mittelmeererkrankungen vorstellen, damit Sie wissen, welchen möglichen Erregern Ihr Vierbeiner ausgesetzt gewesen sein könnte. Sollten bei ihrem Hund Symptome auftauchen oder Ihr Tierarzt Antikörper gegen eine der folgenden Erkrankungen feststellen, sind die Heilungschancen bei richtiger Behandlung sehr groß! Generell möchten wir Ihnen ans Herz legen, Ihren Hund im Alter von ca. 12 Monaten testen zu lassen und ggf. weitere Tests mit Ihrem betreuenden Tierarzt zu besprechen. Für Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!
Wenden Sie sich bitte VOR einem Mittelmeercheck ihres Hundes an unser Sekretariat! Fragen können Ihnen dort beantwortet werden und falls nötig, können wir Ihnen ein Formular für LaboKlin zur Verfügung stellen!
Alles Gute wünscht BESCHÜTZERinstinkte e.V.
Ehrlichiose
- Allgemein:
Ehrlichiose wird durch Bakterien hervorgerufen und von Zecken übertragen. Ehrlichia canis ist der Erreger der Hunde-Ehrlichiose. Eine milde verlaufende Erkrankung kann beim Hund auch durch ansonsten auf Pferde spezialisierte Form der Bakterien verursacht werden. Zwei Unterarten dieser Bakterien können direkt von Zecken auf den Menschen übertragen werden. Bei allen Formen gilt, dass die Bakterien die weißen Blutkörperchen befallen und so dass Immunsystem schwer schädigen. Wenn eine Ehrlichiose frühzeitig diagnostiziert wird, so ist eine Therapie relativ einfach und meistens auch effektiv, doch beträgt die Inkubationszeit nur 8 bis 20 Tage. Eine späte Diagnose zieht schwere Gesundheitsschäden nach sich und kann tödlich verlaufen.
Beginn meist schleichend: Mattigkeit, Leistungsschwäche; später Blutungen (z.B. Nasenbluten). Grippeähnliche Symptome, Fieber, manchmal Hautausschläge und Mattigkeit, sind der Beginn, ohne Behandlung kann es zu Veränderungen in der Blutzusammensetzung mit Anämie, Blutungsneigungen und Infektanfälligkeit kommen. - Behandlung:
Zur Behandlung wird ein bestimmtes Antibiotikum das sogenannte Doxycyclin verwendet. Es muss mindestens 10, besser 21 Tage lang verabreicht werden. Schon innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden tritt in den meisten Fällen eine Besserung ein.
Bei schwerwiegenden Fällen sind Bluttransfusionen unterstützend notwendig, um die Zeit bis zur ausreichenden, körpereigenen Blutzellen-Bildung zu überbrücken. Zusätzliche, kurzzeitige Gaben von Kortison fördern den Heilungsprozess. Zur Stimulierung der Knochenmarks-Aktivität (Nachbildung von Blutzellen) werden zum Teil Anabolika gegeben.
Starkes Nasenbluten kann durch spezielle Nasentropfen zum Stillstand gebracht werden. Homöopathische Präparate und Vitamin B können den Heilungsprozess unterstützen. - Übertragung:
Der Überträger ist die braune Hundezecke Rhipicephalus sanguineus. Sie lebt in den Risikogebieten. - Übertragung Hund auf Mensch?
Menschen können durch Ehrlichiose-Erreger in endemischen Gebieten durch den Biss einer Zecke angesteckt werden. Direkte Infektionen durch den Hund spielen keine Rolle.
Babesiose (Piroplasmose):
- Allgemein:
Babesiosen sind weltweit vorkommende, einzellige Parasiten, die durch verschiedene Zeckenarten übertragen werden. Babesiosen sind in Frankreich und Spanien weit verbreitet, kleinere Herde kommen in Italien, der Schweiz, Österreich und auch in Deutschland vor. Seit einigen Jahren wird Babesiose in Europa sporadisch auch beim Menschen diagnostiziert.
Die Vermehrung der Parasiten geschieht in roten Blutkörperchen, die dadurch auch zerstört werden.Nach anfänglicher Übelkeit und Appetitlosigkeit kommt es zu grippeähnlichen Symptomen mit hohem Fieber und Blässe der Schleimhäute 9 bis 21 Tage nach Infektion. - Behandlung:
Die zur Behandlung der Babesiose in Deutschland nicht vorhandenen Arzneimittel für Hunde kann ihre Tierärztin / Ihr Tierarzt über internationale Apotheken (Medikament = CORBESIA) bestellen. Sie werden gespritzt und helfen ziemlich schnell. Unbehandelt sterben die Tiere. - Übertragung:
Die Zecke kann Babesien auf den Hund übertragen.Damit es zu einer Übertragung der Babesien von der Zecke auf den Hund kommen kann, ist allerdings eine längere Anhaftung der Zecke, man geht von 2 – 3 Tagen aus, notwendig. - Übertragung Hund auf Mensch?
Die Hund und Katze infizierenden Babesienarten sind für den Menschen ungefährlich! Menschen können sich nur direkt durch Zeckenstiche infizieren mit den für Menschen gefährlichen Arten.
Filariosen:
- Allgemein:
Ursache sind Rundwürmer, die sich unter der Haut, im Bindegewebe zwischen den Organen, in den Lymphknoten, im Herz oder großen Blutgefäßen einnisten (»Herzwurm«). Einige Filaria-Weibchen können bis zu 30 cm lang werden. Bei schwerem Befall sind die Tiere sehr geschwächt. Manche entwickeln einen Herzhusten, andere wirken nur sehr müde und abgeschlagen. - Behandlung:
Die Behandlung einer caninen Dirofilariose (D. immitis) findet ausschliesslich mit arsenhaltigen Medikamenten statt. Die Therapie hängt vom Grad der Erkrankung ab. Zumeist wird der Tierarzt ein Mittel zum Abtöten der adulten Würmer und der Mikrofilarien verabreichen. Hat der Hund jedoch besonders viele adulte Würmer, können diese frei in der Blutbahn zirkulierenden toten Würmer zu einem Verschluss in den Lungengefäßen führen. Wenn man dies befürchten muss, werden auch Blutverdünner zusätzlich verabreicht und es ist eine absolute Ruhigstellung des Hundes für einige Tage nötig.
Bei besonders schweren Fällen bedarf es der chirurgischen Entfernung der Würmer. Filaria ist heilbar! - Übertragung:
Durch den Stich einer infizierten Mücke wandern die Larven auf verschiedenen Wegen (Haut, Muskelfasern, Nacken) zu den Venen. Das Herz erreichen dann bereits erwachsene, geschlechtsreife Stadien. Etwa 7-9 Monate nach dem Einstich der Mücke enthalten dann die reifen Weibchen erste Larven, die sogenannten Mikrofilarien. Die Mikrofilarien werden dann ins Blut ausgeschwemmt und können erneut von saugenden Mücken aufgenommen werden. Das heißt, dass in den südlichen Ländern alle Säugetiere durch Mückenstiche infiziert werden können. Wichtig ist also ein guter Schutz gegen Mückenstiche für Hund und Mensch.
Infizierte Hunde sollten bis zur beendeten Therapie mit Mückenschutz behandelt werden( z.B. Advantix).
Leishmaniose
- Allgemein:
Leishmaniose ist eine weltweit vorkommende Erkrankung mit durch die Sandmücke übertragenen Einzellern. Ursprünglich als Tropenkrankheit angesehen, kommen Leishmaniosen auch im europäischen Mittelmeerraum vor, und es wurden nun auch Sandmücken in Deutschland gefangen. Mit der steigenden Zahl von Reisenden in ursprüngliche Verbreitungsgebiete steigt auch in Deutschland die Zahl der importierten Leishmaniosen.
Die Erreger befinden sich beim Hund und Mensch in den Zellen von Leber, Milz und Knochenmark und dort in den weißen Blutkörperchen, die für den körpereigenen Schutz zuständig sind. Damit schädigen sie das Immunsystem.
Bei Hunden kommt es zu unterschiedlichen Symptomen, besonders auffällig sind die typischen Hautveränderungen an Ohren, Nase und Pfoten; innere Organe können geschädigt werden. Sie reichen vom lokal begrenzten, spontan ausheilenden Eizelgeschwür bis zur tödlich endenden Allgemeinerkrankung. - Behandlung:
Für den Hund stehen zahlreiche therapeutische Verfahren zur Verfügung, die aber individuell ,je nach Erregerstamm, Konstitution ,Alter und Hunderasse eingesetzt werden müssen.
Grundvoraussetzung in jedem Fall ist eine Erhöhung und Stabilisierung des Immunsystems des Hundes. Kein Stress, Geborgenheit, ausgewogenes Futter - all das verbessert seine Konstitution , sein Wohlbefinden und stärkt damit sein Immunsystem. Damit wird das Tier in die Lage versetzt ,sich selbst mit dem Erreger auseinander zu setzen und damit fertig zu werden. Besonders Tiere, die keine Symptome zeigen, haben dabei sehr gute Chancen. Auch Tiere mit einem niedrigen Infektionstiter können ein symptomfreies Leben führen.
Eine Spontanheilung ist bei Hunden unter ca. 5 Jahren möglich und auch bekannt.
Als pflanzliche Unterstützung zur Erhöhung der Immunabwehr kann ECHINACEA gegeben werden.
Für die individuelle Behandlung stehen verschiedene Präparate zur Verfügung , die grundsätzlich in Kombination und auf den jeweiligen Hund abgestimmt gegeben werden müssen (Allopurinol, Amphotericin B, Antimon, Ketoconazol, Interferon, Oleyl-PC u.a.) Grundsätzlich gilt bei einer reinen oder kombinierten Chemo-Therapie mit Antimon (Glucantime), je jünger ein Hund ist, desto günstiger sind die Erfolgsaussichten.
Gute Heilungschancen mit einer Kombinationstherapie mit Allopurinol und Levamisole. Vom medizinischen Standpunkt betrachtet ist Leishmaniose heilbar! Allerdings ist hier vom Gesamtzustand des Hundes auszugehen und der individuellen Behandlung bzw. Medikamentengabe. Unbehandelt führt auch diese Erkrankung durch Veränderung der inneren Organe zum Tod. Es wird ständig an neuen Präparaten und Behandlungsmöglichkeiten mit guten Aussichten geforscht. Auch eine zusätzliche homöopathische Unterstützung des Tieres zeigte schon oft gute Ergebnisse. - Übertragung:
Leishmaniose kann sich NUR mit dem Vorkommen der Sandmücke als Überträger verbreiten. Es gibt sie in allen mediterranen Ländern, in Regionen von Tunesien, Griechenland, Türkei, Portugal, Südfrankreich, Spanien, Kanaren, Sizilien, aber auch in Deutschland und der Schweiz. Die Mücken sind nur von Frühling bis Spätsommer unterwegs, besonders aber im August und September. Sandmücken sind windempfindlich, sind also nie direkt am Meer und fliegen nur nachts, etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenaufgang. - Übertragung Hund auf Mensch?
Jeder kann in südlichen Ländern durch die Mücken infiziert werden, der Mensch genauso wie Hunde( auch für deutsche Hunde gefährlich, die mitreisen). Eine Übertragung durch Hundespeichel ist auszuschließen, da sich dort keine weißen Blutkörperchen und somit keine Erreger befinden. Wissenschaftlich gesehen, gibt es keinen nachgewiesenen Fall, bei dem sich der Mensch durch seinen Hund infiziert hat, oder ein Hund durch einen anderen infiziert wurde.
Hilfreiche Homepage zum Thema finden Sie unter www.laboklin.de
Hier können Sie dieses Informationsblatt auch als PDF laden.
